Nach langem hatte ich mir wieder einmal einen freien Tag in der Firma gegönnt. Ich liebte meinen Job als Mediengestalterin, aber ich war zu ausgepowert und musste meine Kreativität wieder neu anregen.
Meine Hand fuhr schon ganz automatisch auf die andere Seite des Bettes.
Sie war kalt und leer.
Natürlich.
Zwar hatte ich mir einen freien Tag gegönnt aber Edward, der Mann mit dem ich seit fünf Jahren verheiratet war, hatte dieses Mal nicht das Glück sich zur selben Zeit wie ich frei zu nehmen.
Er hatte zurzeit viel in der Firma zu tun, sodass es unmöglich war, sich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ein paar freie Tage zu gönnen.
Die Firma…
Ein Lächeln schlich sich auf mein noch schläfriges Gesicht.
Vor knapp acht Jahren lernten Edward und ich uns dort kennen.
Es war mein erster Arbeitstag in der Greate Company.
Anscheinend war es von Nöten, dass mir jemand zugeteilt wurde, der mir die Firma zeigen sollte und an den ich mich wenden könnte, falls bei mir Probleme auftauchen sollten.
Die GC war eine große Firma und ich war davon überzeugt, dass es sonst viel zu lange gedauert hätte, wenn ich mich allein hätte zu Recht finden müssen.
Nur zu gut konnte ich mich an diesen Tag erinnern.
Der Moment, in dem ich zum ersten Mal auf Edward traf, konnte ich mit Nichts in meinem bisherigen Leben vergleichen...
Das kurze Gespräch, welches ich noch mit meinem neuen Chef Mr. Barner geführt hatte, verlief wirklich gut. Das freute mich sehr, zumal man nicht oft zu hören bekam, dass der eigene Chef nett war.
Ich hatte schon in meiner Collegezeit ein Praktikum bei einer Werbeagentur gemacht, allerdings mit einem sehr unfreundlichen Chef, der nur all zu gerne seine miese Laune an den Angestellten ausließ.
Es war eine eher kleine Firma und es wunderte mich umso mehr, dass das Arbeitsklima so grausam war.
War es nicht immer so, dass ausgerechnet in den kleinen Betrieben die Stimmung ausgelassener war und ein netter Umgang zur Tagesform gehörte?
Nun, offenbar war es dort nicht der Fall gewesen.
Umso mehr freute es mich, als ich Mr. Barners Büro betrat und er mir strahlend seine Hand zur Begrüßung reichte.
Man konnte es schon an seinem Gesicht sehen, dass er von Natur aus ein lebensfroher Mensch war.
Trotzdem würde ich alles dafür tun um nicht irgendwann mal seinen Zorn heraufzubeschwören. Denn aus Erfahrung konnte ich sagen, dass es solche Menschen wie Mr. Barner waren, die einem die meiste Angst einjagen konnten, sobald man sie gegen sich aufbrachte.
„Nun, da wir die letzten Formalitäten geklärt hätten, möchte ich Sie offiziell in unserem Team willkommen heißen“, erklärte er mir lächelnd und reichte mir seine Hand, die ich mit einem schüchternen Lächeln entgegen nahm.
„Vielen Dank, Mr. Barner!“ Ich war wirklich dankbar.
Die Greate Company war eine der größten Firmen hier in Illinois und hatte zudem noch einen wirklich sehr guten Ruf. Bestimmt hatten sich tausende von Menschen hier beworben und ausgerechnet ich, als Anfängerin, wurde genommen.
Natürlich würde ich hier klein anfangen, aber die Erfolgschancen waren überragend.
„Oh bitte nennen sie mich Bob, schließlich sind wir hier ja alle quasi eine Familie“, lachte mich dieser gut gelaunte Mensch an.
„Okay.“ Ich nickte ihm zu.
„Dann nennen Sie mich doch bitte Bella“.
Kaum hatte ich diese Worte ausgesprochen klopfte es bereits an Mr. Barners Tür.
Nachdem ein ‚Herein’ Bobs Lippen verließ, konnte ich beinahe meinen Augen nicht glauben wen ich da erblickte, als sich die Tür öffnete.
Es war ein Mann, vielleicht ein paar Jahre älter als ich, der eine unglaublich starke Ausstrahlung besaß.
Er war ziemlich groß und hatte braunes Haar, welches im Licht des Büros leicht rötlich schimmerte. Man könnte schon fast von einem bronzenen Haarton sprechen.
Seine unglaublich grünen Augen, die zwei glänzenden Smaragden zu gleichen schienen, blickten direkt in die Meinen.
Ich fühlte mich, als wäre alles um mich herum einfach ausgeblendet.
Fühlte mich wie betäubt.
Ich war vollkommen in seinem Blick gefangen. Zwei Smaragde, die mit der Sonne um die Wette strahlten.
Es war einfach unglaublich, wie viel Kraft dieser unbekannte Mann schon alleine in den ersten Sekunden über mich hatte.
Doch schon war dieser Moment wieder vorbei, denn ein kurzes Räuspern riss mich aus meiner Trance.
„Edward, Sie kommen genau richtig. Darf ich Ihnen unser neuestes Familienmitglied vorstellen? Bella Swan, das ist Edward Cullen, der ab sofort für Sie zuständig sein wird.“ Ich versuchte mich so gut es ging zusammen zu reißen und reichte Edward meine Hand. Das Zittern, welches ich verspürte als er den Raum betreten hatte, versuchte ich so gut es ging zu unterdrücken.
Mit einem leichten Lächeln nahm er meine Hand entgegen und als sich unsere Hände berührten, schien es beinahe so, als wenn mich der Blitz getroffen hätte.
Was war das nur?
Warum brachte mich dieser Mann nur so aus der Fassung?
Ich kam mir so vor, als wäre ich wieder 16 und nicht 21.
„Es freut mich sehr“, brachte er heraus, während ich ihm immer noch schweigend in seine Augen starrte, die mich mit ganzer Kraft gefangen nahmen.
Durch den Klang seiner Stimmte war es beinahe so, also würde ich seinem Bann nur noch mehr verfallen.
Sie war so samten wie Honig, aber doch sehr rau und männlich. Die perfekte Mischung.
Ich räusperte mich und versuchte so schnell wie möglich die Fassung wieder zu erlangen, was sich schwieriger gestaltete als ich dachte. An meinem ersten Arbeitstag wollte ich mich nicht unbedingt zum Idioten machen. Dafür war es sicherlich schon zu spät, aber die Situation musste für mich ja nicht unbedingt noch peinlicher werden, als sie es ohnehin schon war.
„Ja, mich auch“, kam es leise stotternd von meinen Lippen.
Was zum Teufel war das?
Noch nie, wirklich noch nie in meinem Leben hatte sich meine Stimme so angehört!
Ich konnte sehen, wie sich langsam ein kleines Schmunzeln auf seinem kantigen Gesicht ausbreiten wollte. Dann sah er kurz zu Boden, bevor sein Blick zu Mr. Barner und dann zu mir wanderte.
Mr. Barner! Bob hatte ich bis zu diesen Zeitpunkt schon wieder aus meinem Gedächtnis verbannt.
Mit aller Kraft versuchte ich meinen Blick von diesem wunderbaren Geschöpf namens Edward Cullen loszureißen und suchte einen Punkt hinter seiner Schulter den ich anstarren konnte. Vielleicht ließ sich ja so vermeiden, dass ich ihm nicht vollkommen verfiel.
„Soweit so gut! Bella, nach Ihrem Arbeitstag würde ich Sie gerne noch auf ein Wort in mein Büro bitten. Einfach nur um zu erfahren, wie Ihr erster Arbeitstag verlaufen ist“, erklärte Bob mir mit einem Augenzwinkern.
„Natürlich!“ Endlich hatte ich meine Stimme zurück erobert! Zwar hatte sie nicht denselben Klang wie sonst, aber immerhin war sie nicht mehr so leise und zittrig. Vielleicht lag das aber auch nur an der Tatsache, dass ich grade mit meinem Boss und nicht mit Edward gesprochen hatte.
Edward verabschiedete sich ebenfalls von Bob und versicherte ihm, dass er sich gut um mich kümmern würde.
Ich zuckte erschrocken zusammen, als sich plötzlich eine Hand an meinem Rücken legte, welche mich in Richtung Ausgang dirigierte.
Verwirrt über diese Berührung wandte ich meinen Kopf in Edwards Richtung.
Gerade als wir unser Ziel erreicht hatten und Edward nach der Türklinke griff um die Tür zu öffnen, musste er wieder von meinem Rücken ablassen.
Er blieb direkt neben der Tür stehen und ich starrte vollkommen verwirrt in die Tiefe seiner grünen Augen.
Auf irgendetwas schien er zu warten.
Warum öffnete er die Tür und blieb dann einfach direkt daneben stehen?
Hatte er vielleicht etwas in Bobs Büro vergessen?
Aber warum blieb er dann hier? Warum holte er nicht einfach das, was er noch benötigte, aus Bobs Büro?
Erwartungsvoll blickte er mich an.
„Ladies First“, sagte er nur und seine Hand deutete auf den Durchgang vor meinen Augen.
Seine Mundwinkel zuckten leicht und ich konnte die Andeutung eines Grübchens auf seinem Gesicht erkennen.
Peinlich berührt von meiner Aktion schlüpfte ich schnell durch die Tür. Edward direkt hinter mir.
Wer rechnete denn heutzutage schon damit, dass ein Mann einer Frau die Tür aufhielt? Meiner Reaktion nach zu Urteilen konnte man wohl schon erkennen, dass ich am aller wenigsten damit gerechnet hatte. Allerdings war es schon viel logischer als das, was ich mir da zusammengereimt hatte.
Wieso hätte er denn auch neben einer Tür stehen bleiben sollen, wenn er im Raum womöglich Etwas vergessen hätte?
Das war die Bella-Logik, die anscheinend vor etwa zehn Minuten in mir zum Leben erweckt wurde.
Seit wann konnte mich eine einzelne Person, ein Mann, so sehr verwirren? Er sah wirklich gut aus, das stand völlig außer Frage, aber er war auch nicht der erste gut aussehende Mann, den ich bisher getroffen hatte.
Kaum hatte er die Tür zu Bobs Büro geschlossen musste ich anfangen zu kichern.
Ich wagte es erneut, meinen Blick auf ihn zu richten. Ihm schien es da nicht anders zu gehen.
Ich lehnte mich an die Wand, die mir am nächsten war und Edward versuchte sich mit den Händen an seinen Knien abzustützen.
Den genauen Grund, warum ich plötzlich anfing zu Lachen konnte ich nicht sagen.
Ich vermutete, dass es einfach mit meinem lächerlichen Verhalten von vor wenigen Sekunden zu tun gehabt hatte.
Edwards genauen Grund für sein Lachen konnte ich nicht beurteilen, aber ich konnte es mir schon denken. Wahrscheinlich fand er mein Verhalten genauso amüsant wie ich. Seine Lachfalten hatte ich vorhin schon erkennen können, aber jetzt schien er einfach alles raus zu lassen, was er sich kürzlich noch verkniffen hatte.
Erst jetzt erkannte ich, was für ein schönes Lachen er hatte.
„Tut mir leid“, jappste er vor sich hin.
„Kein Grund sich zu entschuldigen.“ Ich fächelte mir etwas Luft zu, damit die Lachtränen nicht aus meinen Augen hervorquollen.
Nach einer Weile beruhigten wir uns wieder und immerhin war die Stimmung jetzt nicht mehr so angespannt.
Edward kam auf mich zu und streckte mir seine Hand entgegen, die ich argwöhnisch musterte, nur um dann wieder in seine smaragdgrünen Augen zu blicken.
„Ich finde, wir sollten noch einmal von vorne anfangen! Ich bin Edward. Du bist Bella, richtig? Ich würde sagen, das „Sie“ lassen wir ganz weg und bleiben einfach beim „Du“. Was hältst du davon?“
Einen Moment lang war ich wieder seinem Blick ausgeliefert, aber dieses Mal fing ich mich zum Glück schneller.
„Klingt großartig, Edward“, entgegnete ich ihm grinsend und ergriff seine ausgestreckte Hand. Konnten sich Hände weich und rau zugleich anfühlen? Denn seine Hände schienen genau das zu sein. Weich und rau.
Anscheinend hatte nur dieser kleine Lachanfall gefehlt um etwas lockerer zu werden.
„Okay, folgender Plan: Ich werde dir jetzt alles zeigen und dich deinen neuen Kollegen vorstellen. Und danach werden wir zusammen zu Mittag essen“, erklärte er mir sein Vorhaben. Es war unmöglich ihm zu widersprechen, aber das wollte ich auch überhaupt nicht. Seine Idee gefiel mir, was auch der Grund war weshalb ich ihm ohne zu zögern sofort zustimmte.
*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*
Die Mittagspause kam für mich schneller als erwartet. Wahrscheinlich lag das einfach nur daran, dass die Zeit mit Edward so schnell verging.
Die Firma an sich war schon sehr beeindruckend, aber die Geschichten, die mir Edward zu jeder einzelnen Räumlichkeit erzählte, machte den Rundgang zu etwas außergewöhnlichem.
Edward war etwas Besonderes, das hatte ich schon vom ersten Moment an gespürt.
Es tat gut mit ihm zu reden, mit ihm zu lachen oder auch einfach nur mit ihm zu schweigen. Ich mochte ihn. Sehr sogar. Und genau das machte mir Angst.
Schließlich war das mein erster Tag in der Firma und schon fühlte ich mich zu einem meiner Arbeitskollegen, meinem Mentor, hingezogen.
Eine unglaubliche Anziehungskraft.
Wie sollte es dann erst in einem Monat werden?
Oder sogar einem Jahr?
Oder noch länger?
Ich hoffte sehr, dass diese Gefühle, die ich ihm gegenüber verspürte, bald verblassen würden.
Ich wollte mich grade auf dem Weg in die hauseigene Cafeteria machen, als ich Edwards starke Hand an meinem Oberarm spürte.
„Wo willst du hin?“, fragte er mich mit hochgezogenen Augenbrauen und ich erwiderte seinen Blick stirnrunzelnd.
„In die Cafeteria?“ Es war nicht beabsichtigt, diese Aussage wie eine Frage klingen zu lassen.
Auf Edwards geschwungenen Lippen bildete sich wieder ein leichtes Grinsen.
„Die Greate Company ist zwar eine wirklich großartige Firma… Das Essen allerdings kann man sehr wohl mit dem in der Schulkantine vergleichen.“
Sein Grinsen wurde noch breiter. Oh, dieses Grinsen! Es steckte sofort an.
„Wo sollen wir dann unsere Mittagspause genießen, werter Mr. Cullen?“, fragte ich ihn und ein kleines Kichern entsprang meiner Kehle.
„Ich kenne da ein Bistro, direkt um die Ecke. Schließlich ist heute dein erster Tag und da wollte ich nicht unbedingt, dass du dem Kantinenfraß ausgeliefert bist.“ Bildete ich mir das nur ein oder verlief sein Grinsen von einem Ohr zum anderen?
Trotz meines Pullovers konnte ich immer noch die Wärme seiner Hand auf meinem Oberarm spüren, welche mir eine Gänsehaut bereitete.
Wieso verspürte ich bei einer warmen Hand eine Gänsehaut?
Überkam diese einen nicht, wenn einem kalt war?
Doch plötzlich war der Druck und die Wärme seiner Hand verschwunden.
Wenige Sekunden später spürte ich sie jedoch an meinem Rücken und wie er es heute bereits schon einmal getan hatte, dirigierte er mich nach draußen in Richtung Ausgang.
Ich war froh, dass es in Chicago noch recht warm war, weshalb es heute keinen Grund für mich gab eine Jacke anzuziehen.
Die Sonne strahlte richtig und aus diesem Grund versuchte ich ihr meinen Kopf entgegen zu strecken, damit ich die warmen Sonnenstrahlen in mir aufnehmen konnte.
Wir mussten wirklich nur ein kleines Stückchen laufen, ehe wir an dem Bistro ankamen von dem Edward gesprochen hatte.
Es sah wirklich sehr gemütlich aus, trotz der vielen Menschen die anscheinend denselben Gedanken wie Edward gehabt hatten. Doch wir hatten Glück, denn in der hintersten Ecke schien noch der einzige freie Tisch zu sein.
Ich wollte grade meinen Stuhl bewegen, damit ich mich setzen konnte, als Edward mir zuvorkam und es schon für mich erledigte. Anscheinend war er einer der wenigen Gentleman, die diese Welt noch zu bieten hatte.
Dankbar lächelte ich ihm zu, setze mich und er schob meinen Stuhl wieder näher an den Tisch, bevor er sich schließlich mir gegenüber nieder ließ.
„Verbringst du deine Mittagspausen öfters hier?“, wollte ich von ihm wissen und beobachtete aufmerksam sein Gesicht.
Es war das erste Mal an diesem Tag, dass ein Gespräch zwischen uns beiden von mir ausging.
„Nein, nicht immer. Ein oder zwei Mal die Woche komme ich hierher und verwöhne meinen Gaumen“, erzählte er mir mit einem leichten Schulterzucken.
Er nahm sich die einzige Speisekarte die auf dem Tisch lag und reichte sie mir mit den Worten, dass er die Speisekarte schon kennen würde und er eh wusste was er bestellen wollte.
Dankbar nahm ich sie entgegen und studierte die umfangreiche Karte.
Ich kam mir etwas beobachtet vor, versuchte aber nicht weiter darauf zu achten.
Ich hob meinen Blick von der Karte und sah fragen zu Edward, der mich mit einem lächeln im Gesicht zu mustern schien.
Meine Vermutung beobachtet zu werden, war also doch nicht ganz unbegründet.
„Du siehst süß aus, wenn du versuchst dich auf Etwas zu konzentrieren“, teilte er mir mit, als wäre es eine Selbstverständlichkeit.
Ich senkte meinen Kopf und versuchte mir das Muster der Tischdecke einzuprägen. Die Hitze, die ich in meinen Wangen verspürte verriet mir, dass ich wohl gerade rot angelaufen war.
Wieso errötete ich aufgrund eines solch banalen Kompliments?
Wahrscheinlich hatte er sich so oder so nichts dabei gedacht und es einfach nur so daher gesagt.
Ein leisen ‚Danke’ verließ meine Lippen und ich war mir nicht einmal sicher, ob er mich überhaupt gehört hatte.
Es entstand eine kurze Stille, ehe ich meinen Blick wieder auf ihn richtete nur um zu bemerken, dass er seinen Blick immer noch nicht von mir abgewandt hatte. Augenblicklich war ich wieder von diesen Smaragden, seinen wundervollen Augen, gefangen genommen.
Ich konnte meinen Blick einfach nicht von seinem abwenden und ihm schien es da nicht anders zu gehen. Seine Augen nahmen mich nicht zum ersten Mal an diesem Tag gefangen, aber gerade jetzt in diesem Moment schien es besonders intensiv zu sein.
Ein Gefühl, welches mit Nichts auf dieser großen weiten Welt vergleichbar war.
Wir schreckten beide auf, als wir die Stimme der Kellnerin hörten, die uns freundlich fragte, was wir bestellen wollen.
Die Zeit verging und bis unser Mittagessen zu unserem Tisch gebracht wurde, sprachen wir kein Wort miteinander.
Irgendwie war es ein sehr intimer Moment den wir geteilt hatten, bevor die Kellnerin ihn unterbrach.
Intim jedoch nicht im körperlichen Sinne.
Sprach man nicht davon, dass die Augen das Tor zur Seele widerspiegelten?
Ich hatte das immer für ein lächerliches Gerücht gehalten, für Schwachsinn, aber vor wenigen Augenblicken wurde mir das Gegenteil bewiesen.
Es schien mir wie eine halbe Ewigkeit vorzukommen, bis die Kellnerin mit unseren Bestellungen wieder zu unserem Tisch kam.
Allerdings stellte sie mein bestelltes Essen an Edwards Platz und Edwards direkt vor mir, ehe sie wieder verschwand.
Verwirrt blickte ich auf und meine Gesichtsmimik schien der von Edward zu gleichen. Irgendwie sah das sehr amüsant aus, wenn er so verwirrt war. Ein kleines Lachen wollte meiner Kehle entfliehen, aber ich versuchte meine Lippen fest aufeinander zu pressen, was sich jedoch als schwieriger herausstellte als ich vielleicht gedacht hatte.
Edward schien durch meine Reaktion noch verwirrter zu sein und das war der endgültige Auslöser für mein Gelächter.
Er musterte noch kurz meinmerkwürdiges Verhalten, ehe er selbst in mein Lachen mit einstimmte.
Wir lachten noch eine ganze Weile und nur langsam schienen wir uns wieder zu beruhigen. Die anderen Gäste, die in unserer Nähe saßen, schien unser Gelächter nicht zu stören.
Zwischen Edward und mir wurde die Stimmung nach jedem Lacher immer gelöster. Ich hätte auch nicht gewusst, wie ich das Mittagessen mit dieser angespannten Atmosphäre überlebt hätte.
Nach einer gefühlten Ewigkeit beruhigten wir uns tatsächlich.
Aus einem mir unerklärlichen Grund stand Edward plötzlich auf und entfernte sich von unserem Tisch.
Verwirrt, wie schon ich es an diesem Tag schon so oft gewesen war, blickte ich ihm hinterher, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte.
Musste er etwa auf die Toilette? Aber warum hat er mir dann nicht bescheid gesagt?
Oder wollte er mich hier einfach sitzen lassen?
Nein, von hier aus hätte ich gesehen, wenn er aus dem Bistro gegangen wäre.
Oder gab er vielleicht einen Hinterausgang?
Warum sollte er flüchten wollen?
War ich wirklich eine so schlimme Gesellschaft?
Ich wusste zwar nicht, wann Edward wieder kommen würde aber mit dem Essen wollte ich nicht ohne ihn anfangen. Unsere Nudeln schienen bestimmt eh schon durch unser Gelächter von vorhin kalt zu sein und außerdem erlaubte es meine gute Kinderstube nicht ohne den anderen mit dem Essen zu beginnen.
Schneller als ich es erwartet hatte kam er wieder zum Tisch geflitzt und hatte einen Teller in seiner Hand. Was wollte er mit diesem Teller?
Edward nahm wieder Platz und blickte direkt in meine ratlosen Augen.
„Dein Essen sieht sehr lecker aus, aber auf meins habe ich auch großen Hunger, deswegen dachte ich mir, dass wir unser Essen aufteilen könnten. Zwar haben wir dann ein schmutziges Geschirr zu viel, aber die Küchenhilfen werden mich dafür schon nicht umbringen“, erklärte er mir, während er die ganze Zeit grinsend in meine braunen Augen starrte.
Verblüfft sah ich ihn noch einen Moment an, bevor ich mich schließlich fasste und von seiner Idee mehr als nur begeistert war.
Das Essen verlief traumhaft. Wir unterhielten uns viel und bei dem einen oder anderen Gesprächsthema kamen wir um ein erneutes Gelächter einfach nicht drum herum.
Es war alles so unbeschwert mit ihm und ich genoss einfach seine Nähe.
Ich fragte mich, ob es ihm genauso erging wie mir.
Fühlte er sich von mir auch angezogen? Manchmal hatte es jedenfalls den Anschein.
Ich hatte nur noch ein paar Nudeln auf meinem Teller liegen, als ich aus den Augenwinkeln sah, wie jemand auf unseren Tisch zusteuerte.
Zuerst dachte ich, dass es womöglich wieder die Kellnerin war, aber ihre Kleidung war ganz anders, weswegen ich mich dazu entschied meinen Blick zu erheben.
Es war eine große rotblonde Frau und das Lächeln, welches sie auf ihrem Gesicht trug, ließ ihre strahlend weißen Zähne hervorblitzen.
Edward schien tief in seinen Gedanken versunken zu sein, was wohl auch der Grund dafür war, dass er seinen Blick nicht aufrichtete.
Sie stellte sich direkt hinter Edward, hob ihre Arme und legte ihre Hände um seine Augen.
Ich konnte sehen, wie sich Edward plötzlich versteifte und sich aufrecht setzte.
Die blonde Schönheit beugte ihren Kopf zu seinem und hielt inne, kurz bevor ihre Lippen sein Ohr geküsst hätten.
Ich konnte hören, wie sie ihm ein leises ‚Überraschung’ zuflüsterte und sie langsam ihre Hände runter nahm, nur um diese dann auf seine breiten Schultern zu legen.
Ich saß einfach nur ganz still da, beobachtete dieses Szenario und wusste einfach nicht, was ich von der ganzen Situation halten sollte. Also versuchte ich mich nicht zu bewegen um möglichst nicht aufzufallen.
Edward drehte seinen Kopf ruckartig herum, was dazu führte, dass dieses hübsche Wesen sich glücklich zu ihm herunterbeugte und ihm einen langen Begrüßungskuss auf die Lippen drückte.
Ich konnte mir nicht erklären warum, aber plötzlich verspürte ich ein unangenehmes stechen in der Brust.
Warum schmerzte es so sehr, wenn ich sah wie Edward eine andere Frau küsste? Ich kannte ihn doch erst seit ein paar Stunden und trotzdem fühlte es sich so an, als würde in mir etwas zerbrechen.
Beide ließen wieder voneinander ab und Edward schien irgendwie überrascht und unglücklich zu sein. Aber warum? Wollte er nicht, dass mich seine Freundin mit ihm zusammen sah? Jedenfalls nahm ich an, dass sie seine Freundin war. Warum sonst sollte eine Frau einen Mann so vertraut küssen?
Die Frau zog einen Stuhl herüber zu unserem Tisch und ließ sich direkt neben Edward nieder.
Erst jetzt schien sie mich wirklich zu registrieren.
„Oh! Störe ich etwa?“, fragte sie weiter lächelnd in die Runde.
Ich konnte sehen, wie eine Hand unter dem Tisch nach Edwards zu greifen schien. Seiner Reaktion nach zu urteilen schien ihm das in diesem Moment etwas unangenehm zu sein. Aber was war der Grund?
Wie gerne würde ich jetzt Gedanken lesen können nur um zu erfahren, was in Edward hübschen Köpfchen vor sich ging. Aber noch mehr wünschte ich mir, dass sich der Erdboden in just diesem Augenblick öffnen und mich verschlingen würde.
„Ja… öhm ich meine nein, du störst natürlich nicht“, versuchte er ihr zu erklären und lächelte leicht gequält.
Und mit versuchte meinte ich es auch so, denn es sah wirklich sehr gezwungen aus, aber ihr schien es nicht mal ansatzweise aufzufallen.
„Ich habe nur Bella, meine neue Arbeitskollegin, zum Mittagessen ausgeführt“, fuhr er mit seiner Erklärung fort.
Sein Blick wanderte nun zu mir und etwas Entschuldigendes lag in seinen Augen.
Was hatte das nur alles zu bedeuten? Seine Körpersprache und seine Mimik sagten etwas ganz anderes aus, als sein Verhalten.
„Bella, das ist meine…“, ich konnte ihn schwer Schlucken sehen „… meine Freundin Tanya.“
Ich versuchte aus meinem tranceähnlichen Zustand wieder herauszufinden und mich auf das zu konzentrieren, was vor meinen Augen geschah.
Die Frau, Tanya, streckte mir ihre perfekt manikürte Hand mit den Worten „Freut mich Sie kennen zu lernen“ entgegen.
Noch ein letztes Mal sah ich skeptisch zu Edward herüber, ehe ich die Hand seiner Freundin ergriff.
Ich konnte sehr gut verstehen, warum die beiden ein Paar waren. Beide waren wunderschön und allein schon durch Tanyas Erscheinungsbild konnte man sehen, wie sehr sie darauf achtete, dass ihr Äußeres gepflegt wurde.
Wenn ich mir dagegen meine Fingernägel ansah… sie waren abgekaut. Es war eine schlechte Angewohnheit, die sich in der Junior High School entwickelt hatte und seitdem mein ständiger Begleiter.
Ich schüttelte ihre Hand, ohne ihre Worte zu erwidern.
Es freute mich nicht sie kennen zu lernen oder von ihrer Existenz zu erfahren.
Deswegen blieb ich lieber still, bevor eine Lüge noch meinen Mund hätte verlassen können.
Es war neu für mich so zu empfinden. Edward war nur ein Arbeitskollege, mit dem ich mich gut verstand und mit dem ich vielleicht grade mal fünf Stunden verbracht hatte. Also, wieso störte mich diese Situation?
Ich schob meine Gedankengänge beiseite, als ich Edwards wunderschöne Stimme hörte.
„Woher weißt du, dass ich hier bin?“ Er warf Tanya einen fragenden Blick zu.
„Oh Liebling, ich war erst in der Agentur, aber als ich gesehen habe, dass du nicht da warst wusste ich, dass du nur hier im Bistro sein kannst“, antwortete sie augenzwinkernd auf seine Frage und beugte sich zu ihm hinüber um ihm einen schnellen Kuss zu geben.
Mein Blick schnellte zu meiner Armbanduhr und ich registrierte zu meiner Freude, dass die Mittagspause schon fast wieder zu Ende war.
Ich wollte den beiden nicht noch weiter bei ihrem Pärchen-Ding beobachten.
Der Anblick tat weh und ich musste herausfinden, wieso dies der Fall war.
Schnell stand ich von meinem Platz auf und wurde sofort von zwei Augenpaaren gemustert.
Tanyas meeresblauen Augen sahen verwirrt aus und die smaragdgrünen Augen von Edward schienen ihren Glanz von heute Morgen verloren zu haben.
Bevor einer der beiden mich noch fragen konnte warum ich so plötzlich aufstand, setzte ich schon zu einer Antwort an.
„Die Pause ist gleich zu Ende und da heute mein erster Tag ist, will ich nicht noch zu spät kommen“, erklärte ich ihnen sofort.
„Warte, ich komme mit“, sagte Edward, warf seine Serviette auf den fast leeren Teller und war schon dabei aufzustehen.
„Nein! Nicht nötig, ich schaff das schon. Außerdem will ich euch beiden noch etwas Privatsphäre gönnen“, versuchte ich zu erklären. Der wahre Grund war nicht etwa, dass ich den beiden ihre Privatsphäre gönnte, sondern dass ich ihnen nicht noch länger bei ihrem Pärchen-Ding zuschauen musste.
Noch ein letztes Mal, bevor ich das Bistro verließ, sah ich in Edwards Augen.
Sie sahen irgendwie so traurig aus. Es erschien mir unmöglich nicht in diese Augen zu starren und ich beneidete sofort die Frau an seiner Seite.
Tanya konnte, wann immer sie wollte, in seinen Augen versinken.
Schnellen Schrittes lief ich aus dem Bistro und direkt in die Agentur.
Angela, eine der Sekretärinnen hier, begrüßte mich wieder freundlich und fragte mich, wie meine Mittagspause denn verlief.
Anscheinend hatte sie irgendwas in meinem Gesicht lesen können, denn sofort wurde ihre Mine mitfühlend und sie fragte mich, ob ich darüber reden wollte.
Wollte ich das? Ich kannte sie nicht, aber sie schien mir einen wirklich netten und loyalen Eindruck zu machen.
Außerdem kannte sie Edward schon länger. Ob es sich nun positiv oder negativ gegen mich auswirken würde konnte ich beim besten Willen nicht sagen.
Ich musste mit jemandem reden, das wurde mir in just diesem Moment klar.
Und wenn Angela schon fragte… was sollte schon groß passieren? Bob meinte doch, wir alle wären eine Familie, richtig?
Mit sonst niemandem könnte ich in diesem Moment reden.
Meine beste Freundin Rose war auf der Arbeit und sonst hatte ich keine engeren Freunde.
Angela wäre jetzt die beste Gesprächspartnerin für mich. Also riss ich mich zusammen und vertraute auf meine Menschenkenntnis, ehe ich zu ihr hinüber ging und mir alles von der Seele redete.
Sie hörte mir aufmerksam zu und sie schien weder gelangweilt, noch schien sie mich für verrückt zu halten.
Als ich fertig war, schien sie mich noch einen Moment zu mustern, bevor sie ihr Wort an mich richtete.
„Scheint so, als hättest du dich verliebt“, erklärte sie mir und in ihrer Stimme war kein Funke einer Lüge heraus zu hören. Abwehrend schüttelte ich meinen Kopf.
„Wie soll das denn bitte gehen? Ich kenne ihn doch erst seit ein paar Stunden“, versuchte ich mich aus ihrer Diagnose heraus zu reden. Ich hörte sie noch leicht seufzen, ehe sie wieder zum sprechen ansetzte.
„Du bist verliebt, Liebes. Alles spricht dafür und niemand kann sich entscheiden wann und in wen man sich verliebt. Je eher du das begreifst, desto besser ist es dann für dich. Außerdem scheint es ihm ja auch nicht anders zu ergehen, so wie du das beschrieben hast. Hinzu kommt, dass ich euch vorhin auch noch gesehen hatte und ich nun erst recht davon überzeugt bin. Das nennt man wohl Liebe auf den ersten Blick.“
Irrte ich mich oder war sie grade am schwärmen?
Liebe auf den ersten Blick?
Eigentlich dachte ich, dass es so was nur in Filmen gibt. Und außerdem, musste man jemanden nicht erst richtig kennen lernen, bevor man sich verliebt?
Was diesen Punkt anging musste ich noch mal in Ruhe nachdenken, sobald ich alleine war.
Denn so abwegig erschien mir dieser Gedanke überhaupt nicht mehr, besonders wenn ich daran dachte, was im Bistro geschehen war.
Erst dieser unglaublich intensive Blick, bei dem ich überall ein leichtes Kribbeln verspürte und dann die Geschichte mit dem Teller, worüber ich mich auch gefreut hatte.
Außerdem hatte er mich süß genannt, woraufhin ich sofort rot wurde, was bei solch Komplimenten normalerweise bei mir nicht der Fall war.
Zuletzt kam dann noch die Sache mit Tanya hinzu und dieses Stechen, welches ich verspürt hatte. Und genau da war auch schon der alles entscheidende Faktor. Selbst wenn ich wirklich in Edward verliebt sein sollte, hätte ich nicht die geringste Chance.
„Wie kannst du behaupten, dass es ihm da nicht anders ergeht? Er hat doch eine Freundin!“, fragte ich an Angela gerichtet, die mich komisch ansah. Ihren Gesichtsausdruck konnte ich überhaupt nicht deuten.
„Ja, Tanya! Sie ist wirklich nett aber ich glaube nicht, dass sie die Richtige für ihn ist. Sie sind zwar schon seit etwa vier Jahren zusammen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass es noch länger halten wird“, erzählte sie mir und zwinkerte mir zu.
Wieso mussten mir heute alle möglichen Personen zuzwinkern? Und außerdem, wie kam sie zu dieser Vermutung?
Ich wusste nicht, woher diese plötzliche Wut kam die ich verspürte, aber ich versuchte mich zusammen zu reißen.
Angela war nett und hatte mir in einem Moment zugehört, wo ich sonst niemanden zum reden hatte und dafür war ich ihr dankbar.
Mit dem Versprechen, niemandem von unserem Gespräch zu erzählen, verabschiedete ich mich noch von Angela, ehe Edward noch durch die Tür kommen würde.
Ich war gerade bei den Aufzügen angelangt und war grade dabei auf den Knopf zu drücken, als eine Hand an mir vorbeischoss und ihn zuerst betätigte.
Mein Kopf schnellte nach links nur um wieder in grüne Augen versinken zu können.
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Der Tag verging leider nicht so schnell wie er angefangen hatte.
Zwischen Edward und mir war die Atmosphäre eine andere geworden und ich versuchte ihn so wenig wie möglich anzusehen, damit ich ihm nicht mehr verfiel.
Er jedoch schien dies zu bemerken und manchmal konnte ich ihn schwer seufzen hören. Ab und zu versuchte er meine Aufmerksamkeit zu erlangen, was ihm manchmal sogar gelang.
Mal war es nicht beabsichtigt, dass ich ihm meine Aufmerksamkeit schenkte und manchmal tat ich es einfach nur, damit er nicht bemerken konnte was mit mir los war.
Er sah so anders aus als in der ersten Hälfte von diesem Tag.
Vom äußeren Erscheinungsbild hatte er sich nicht verändert, außer vielleicht das seine Haare noch chaotischer waren, weil er sie sich immer raufte.
Es waren vielmehr seine Augen, seine Ausstrahlung. Und mit keinem Wort erwähnte er an diesem Tag noch die Vorkommnisse im Restaurant.
Ab und zu gelang es ihm sogar mir ein kleines Lachen zu entlocken.
Kurz vor meinem ersten Feierabend wurde die Stimmung wieder etwas gelöster und Edward bekam wieder das Glänzen in seinen Augen zurück.
Er fragte mich noch, ob er mich nach Hause bringen könnte aber ich erwiderte nur, dass ich eh noch zu Bob müsste und er eine Freundin zu Hause hätte, die auf ihn warten würde.
Kaum hatte ich diese Worte ausgesprochen, bekam Edward wieder diesen gequälten Gesichtsausdruck und das Glitzern in seinen Augen schien wieder verschwunden.
Mit einem „Tschüss, bis morgen“ verabschiedete ich mich schnell von ihm und ging in Richtung der Aufzüge um meinen Chef von meinem ersten Tag berichten zu können.
Mein persönliches Dilemma ließ ich dabei natürlich außen vor.
*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*
Seit fast vier Monaten arbeitete ich nun schon bei der Greate Company und mit jedem Tag machte es mir mehr Spaß hier arbeiten zu dürfen.
Viele Menschen hassten ihren Job, verabscheuten ihn regelrecht, aber diese Gefühle konnte ich nicht teilen.
Ich liebte es kreativ sein zu können und in dieser Firma konnte ich meiner Kreativität wirklich freien Lauf lassen.
Hinzu kam auch noch, dass ich wirklich nette Arbeitskollegen hatte, die mich mit offenen Armen empfangen hatten, doch keiner von ihnen war mit auch nur annähernd mit Edward zu vergleichen.
Genau siebzehn Wochen waren seit meinem persönlichen Desaster im Bistro vergangen.
Siebzehn Wochen, in denen ich mit Edward nicht mehr so ausgelassen seien konnte wie ganz am Anfang.
Es war anders zwischen uns, aber nicht mehr so angespannt wie nach der Sache im Bistro.
Schon in meiner ersten Woche wurde mir bewusst, dass ich mich tatsächlich in Edward verliebt hatte.
Anfangs hatte ich noch versucht den nötigen Abstand zu bewahren, aber er machte es mir einfach nicht möglich.
Einerseits, weil er nicht von meiner Seite weichen wollte und andererseits, weil ich auch gar nicht erst wollte, dass er das tat.
Es war angenehm ihn in meiner Nähe zu wissen, selbst wenn es nur hier in der Agentur so ging.
Unsere Mittagspausen verbrachten wir immer zusammen, auch wenn ich mich erst dagegen gewehrt hatte, aber Edward bestand darauf und ich konnte ihm keinen einzigen Wunsch abschlagen.
Jedes Mal hatte ich jedoch Angst, dass Tanya wieder aufkreuzen würde um ihm bei der Mittagspause Gesellschaft zu leisten, was aber Gott sei Dank nicht noch einmal vorkam.
Denn jetzt, mit dem Wissen bedingungslos in ihn verliebt zu sein, wäre es für mich eine Qual gewesen, ihn zusammen mit seiner Freundin sehen zu müssen.
Ich war gerade in meinem Büro und machte mir Gedanken über eine meiner neuen Kampagnen, als ich es an meiner Tür klopfen hörte.
Überrascht, weil es ungewöhnlich war, dass jemand so kurz vor Feierabend an meiner Bürotür anklopfte, erhob ich meinen Blick von meiner gerade entworfenen Zeichnung.
Mein Blick fiel zur Tür in der Hoffnung, dass wenn ich sie nur lange genug anstarrte, ich wüsste, wer dieser geheimnisvolle Klopfer hinter der Tür war.
Aber da ich ja wusste, dass so etwas, außer in gewissen Comics, Serien oder Filmen nicht möglich war, rief ich „herein“ und ein bronzener Haarschopf erschien in meinem Büro.
Edward sah mich an und fing sofort an zu lächeln. Warum musste er mir das denn auch immer so schwer machen?
„Was gibt’s?“, wollte ich von ihm wissen und versuchte mich wieder auf meine Arbeit zu konzentrieren.
„Könntest du vielleicht einen Moment von deiner Arbeit ablassen?“, fragte er mich, während er sich auf den Stuhl mir gegenüber niederließ.
Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück, meine Hände blieben jedoch auf meinem Schreibtisch liegen und spielten abwechselnd mit dem Stift in meiner Hand.
Ich brauchte einfach eine Beschäftigung wenn er in meiner Nähe war.
Egal ob sinnvoll oder nicht.
Bis jetzt kam es noch nie vor, dass er kurz vor Dienstschluss in mein Büro herein kam.
Er schien etwas nervös, warum auch immer, doch letztendlich raffte er seine Schulter und hob seinen Blick, nur um direkt in meine Augen blicken zu können.
„Ich wollte dich etwas fragen… Also eigentlich ist es eher eine Bitte“, fing er an um mir den Grund für sein Auftreten zu erklären.
„Und zwar wollte ich dich bitten mit mir auszugehen“, kam es von seinen Lippen, auf denen sich ein schiefes Lächeln zeigte.
Ungläubig konnte ich ihn nur anstarren und der Stift, den ich noch in meiner rechten Hand hielt, fiel laut auf das Holz meines Schreibtisches.
„Du willst mit mir ausgehen? So richtig ausgehen? Wie bei einem Date?“, fragte ich ihn noch mal und das ich der ganzen Sache noch nicht so recht traute, konnte man in meiner Stimme deutlich hören.
„Ja!“, antwortete er mir ohne mit der Wimper zu zucken und immer noch mit einem schiefen Lächeln im Gesicht.
Ich konnte es wirklich nicht glauben. Ein Date? Ein richtiges Date? Warum? Und warum jetzt? Was war mit seiner Freundin?
Meine Hand griff wieder nach dem Stift, der auf meinem Schreibtisch gefallen war und mein Blick richtete sich wieder auf die Zeichnung, an der ich vor seinem Eintreten gearbeitet hatte.
Ich konnte es einfach nicht fassen. Wie aus heiterem Himmel hatte er mich jetzt um ein Date gefragt.
Meine Gedanken und Gefühle spielten verrückt und in der Hoffnung, dass ich mich nur verhört hatte, versuchte ich weiterhin meiner Arbeit nachzugehen.
Leichter gesagt als getan, denn ich konnte mich überhaupt nicht mehr auf meine Tätigkeit konzentrieren. Seine Worte hallten immer wieder in meinem Kopf und seine Mimik und Gestik spielte sich unaufhörlich vor meinem inneren Auge ab.
Nur ganz schwach konnte ich aus meinem Augenwinkel erkennen, wie er nervös auf dem Stuhl mir gegenüber hin und her rutsche.
Ich tat jedoch so, als ob er gar nicht hier wäre und versuchte ihn so gut wie möglich zu ignorieren, was bei ihm aber schier unmöglich erschien.
Er hatte so eine starke Ausstrahlung, so eine starke Präsenz, dass es ausgeschlossen war ihn nicht zu bemerken.
„Sag doch bitte etwas“, hörte ich seine wunderschöne Stimme, die sich wie ein Glockenspiel in meinen Ohren anhörte.
Tief durchatmend schloss ich meine Augen, um mich im nächsten Moment auf seinen gottesgleichen Anblick vorbereiten zu können.
„Was willst du denn von mir hören?“, flüsterte ich leise in den Raum und richtete meinen Blick auf.
Wie es nicht anders zu erwarten war, trafen seine Augen direkt meine, aber ich wollte mich zusammen reißen.
Ich durfte nicht schon wieder in seine überwältigenden Augen versinken, mich nicht darin verlieren, denn dann könnte ich kein vernünftiges Gespräch mehr zu Stande bekommen.
Es war notwendig für mich zu erfahren, was das Ganze hier sollte und warum er es ausgerechnet jetzt und hier tat.
Ich wusste wirklich nicht, was ich dazu sagen sollte.
Tausende Gedanken wirbelten in meinem Kopf herum und das Zehnfache an Fragen schien geradezu auf eine Antwort zu warten.
„Die Wahrheit“, erklärte er mir und musterte mich dabei ganz genau.
„Die Wahrheit“, murmelte ich vor mich hin und versuchte meine Gedanken so gut wie möglich zu ordnen.
„Was ist mit dir und Tanya? Ich denke nicht, dass sie so begeistert wäre, wenn ich mit dir, außerhalb der Firma, ausgehen würde. Hinzu kommt noch, dass ich mich niemals in eine Beziehung eindränge und…“ Edward stoppte meinen Redeschwall, indem er seine Hand hob und ein „Bella“ seine Lippen verließ.
„Mit Tanya und mir ist Schluss. Schon etwas länger“, erklärte er mir während ich, wieder einmal, in seine Augen sah und versuchte herauszufinden, ob er mir dir Wahrheit sagte. Tatsache war, soweit ich das beurteilen konnte, dass ich in seinen Augen nicht den leisesten Ansatz einer Lüge finden konnte.
„Seit wann genau?“, verlangte ich von ihm zu wissen.
„Vor ungefähr drei Monaten haben wir uns getrennt. Ich denke, dass Tanya auch gemerkt hat, dass es zwischen uns nicht mehr so lief wie früher“, erklärte er mir und sah die ganze Zeit in meine Augen.
„Und warum fragst du mich erst jetzt nach einem Date?“, führte ich meine Fragerunde fort, worauf ich nur Edwards leises seufzen hören konnte.
„Ich denke, es wäre weder dir, noch Tanya gegenüber fair gewesen, wenn ich mich sofort auf etwas Neues gestürzt hätte“, fuhr er mit seiner Erklärung fort, während ich ihn nur anstarren konnte.
Wenn ich so darüber nachdachte, dann war es absolut logisch.
Außerdem hatte er Recht. Es wäre wirklich nicht richtig gewesen, wenn er nach seiner vierjährigen Beziehung mit Tanya einfach weiter gemacht hätte.
Allein schon, dass er so gehandelt hatte führte dazu, dass ich mich nur noch mehr in ihn verliebte.
Ich konnte ihn verstehen, aber trotzdem dränge sich mir die Frage auf, warum er mir nicht erzählt hatte, dass er wieder Single war denn dieses Wissen hätte mir so manchen Kummer erspart.
Vor allem meine Mittagspausen hätte ich dann wesentlich entspannter verbringen können.
„Warum ich?“, fragte ich ihn, nachdem es eine Weile still zwischen uns gewesen war.
Die Arbeit, die auf meinem Schreibtisch lag, hatte ich mittlerweile schon vollkommen vergessen.
Ich konzentrierte mich nur auf Edward.
Auf uns und auf diese für mich mehr als nur wichtige Unterhaltung.
Er lächelte schief, rückte mit seinem Stuhl näher an meinen Schreibtisch heran und stützte seine muskulösen Unterarme darauf ab.
„Weil ich mich in deiner Nähe sehr wohl fühle. Weil du mich immer und überall zum lachen bringst. Weil ich in deiner Nähe ich selbst sein kann und vor allem, weil ich durch dich so kreativ bin, wie noch niemals zuvor in meinem Leben“
Seine Worte waren Balsam für meine Seele.
Ich hatte nicht einen einzigen Zweifel an dem, was er gerade gesagt hatte.
Das Glitzern in seinen Augen, welches noch nie so stark gefunkelt hatte wie in diesem Moment, bestätigte mir die Wahrheit.
„Das sind nur wenige der Gründe, warum ich mit dir ausgehen will, Bella“, fing er wieder an und riss mich aus meinen Gedankengängen.
Ich räusperte mich schnell und setzte mich etwas aufrecht hin.
„Wie kommst du darauf, dass ich mit dir ausgehen will?“, fragte ich ihn und musste mir ein Grinsen verkneifen.
Jedoch ließ sein Grinsen auch nicht lange auf sich warten und diese Reaktion seinerseits, verwirrte mich ein wenig.
Eigentlich hatte ich gehofft, dass er durch meine Frage etwas geschockt sein würde.
Edward beugte seinen Oberkörper noch etwas nach vorne und beinah automatisch schien ich seine Bewegung nachzahmen.
„Da ist Etwas zwischen uns, Bella. Etwas, was sich nicht so leicht beschreiben lässt und ich weiß, dass du es auch spüren kannst.“ Er sprach mit so einer Intensität und sah dabei so tief in meine Augen, in meine Seele, dass es mir eigentlich schon unangenehm sein sollte, aber das Gegenteil war der Fall.
Er hatte Recht mit dem, was er über uns gesagt hatte.
Auch ich konnte von Anfang an diese Verbindung, dieses gewisse Etwas zwischen uns spüren und mit jeden Tag, jeder Stunde und jeder Minute die verging, schien dieses Gefühl nur stärker zu werden.
Erging es ihm denn wirklich genau wie mir?
Konnte es wirklich sein, dass ich nach diesen vier Monaten, in denen ich schon beinahe meine ganze Hoffnung verloren hatte, etwas Glück gefunden hatte?
War es tatsächlich möglich?
Zufrieden lächelnd beugte ich mich etwas weiter zu ihm, sodass meine Lippen direkt neben seinem Ohr stoppten.
„Okay“, flüsterte ich ihm zu und bemerkte direkt seinen stockenden Atem.
„Ich werde mit dir ausgehen.“
*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*
Es war Samstag und ich hatte noch genau eine viertel Stunde, bis Edward mich zu unserem Date abholen würde.
Ich lief, schon komplett fertig für unsere Verabredung hergerichtet, durch meine Wohnung und konnte mich einfach nicht entscheiden, in welchem dieser Räume ich die restliche Zeit verbringen sollte.
Eigentlich sollte mir diese Entscheidung nicht besonders schwer fallen, denn die Auswahl der einzelnen Zimmer war gering.
Ich lebte allein, also warum hätte ich mir eine größere Bleibe zulegen sollen? Für mich war es genug und das war das einzige was zählte.
Ehe ich mich versah hörte ich auch schon die Türglocke läuten.
Schnell sah ich auf die Uhr, die auf der Kommode neben meinem Bett stand nur um festzustellen, dass Edward fünf Minuten zu früh zu unserer Verabredung erschien.
Konnte er es genauso wenig abwarten wie ich?
Ich sprintete zu meiner Wohnungstür und durch meinen schnellen Gang konnte man die Absätze meiner Schuhe auf dem Parket klackern hören.
Bevor ich meine Wohnungstür erreichen konnte verlangsamte ich meinen Schritt und drückte rechts neben der Tür auf den Schalter, damit ich Edward öffnen konnte.
Ich hätte schwören können, dass nur wenige Sekunden vergingen nachdem ich es an meiner Tür Klopfen hörte.
War er hier hoch gesprintet? Schließlich befand sich meine Wohnung im dritten Stock.
Meine Hand war bereits an der Türklinke, als ich noch einmal kurz meine Augen schloss und tief durchatmete und ich mich somit auf den kommenden Abend vorbereiten konnte.
Die Nervosität, die mich schon den ganzen Tag und die gesamte restliche Woche begleitet hatte, schien in genau diesem Zeitpunkt ihren Höhepunkt gefunden zu haben.
Doch in dem Moment, als ich die Türklinke nach unten drückte und ich Edwards atemberaubende Gestalt vor mir sah, war meine Nervosität erloschen.
Ein Lächeln bildete sich auf meinem Gesicht, als ich ihn so vor mir stehen sah.
Er hatte eine Blue Jeans an, kombiniert mit einem roten Hemd an dem er die ersten paar Knöpfe aufgelassen hatte was dazu führte, dass seine Brusthaare etwas hervorlugten.
Kurz konnte ich meinen Blick nicht davon abwenden, aber als ich ihn leise Räuspern hörte, erwachte ich letztendlich aus meiner Starre und hob meinen Kopf nur um zu sehen, wie mich seine grünen Augen musterten.
Seine smaragdgrünen Augen stachen durch sein rotes Hemd nur noch mehr heraus, was dazu führte, dass ich mich nur noch schneller in diesen verlieren würde.
Dabei dachte ich, dass das nicht mehr möglich wäre.
„Möchtest du mich nicht rein bitten?“, fragte er mich und trug wieder sein schiefes Grinsen auf den Lippen.
Kurz runzelte ich die Stirn, schüttelte meinen Kopf um wieder etwas klarer zu werden und ging einen Schritt zurück um ihm so zu Signalisieren, dass er mein Reich ruhig betreten durfte.
Eine seiner Hände, die bis dato hinter seinem Rücken verschränkt war, ließ er zum Türknauf wandern um die Türe zu schließen.
„Ich habe etwas für dich“, flüsterte er in die Stille hinein und trat einen Schritt auf mich zu.
Die Hand, die zuvor noch hinter seinem Rücken verborgen war, kam aus ihrem Versteck empor und hielt mir etwas hin.
In seinem Blick konnte ich einen Hauch von Unsicherheit herauslesen, was mich etwas verwirrte. Wann verwirrte mich dieser unglaubliche Mann eigentlich nicht?
Meine Augen wandten sich von seinem Gesicht ab, nur um meinen Blick auf das zu richten, was er mir in seiner Hand entgegenstreckte.
Es war ein Kaktus, eingepflanzt in einem kleinen Topf, welcher perfekt in Edwards Handfläche passte.
Verwirrt runzelte ich meine Stirn und mein Blick wanderte zwischen ihm und dem Kaktus hin und her.
Was hatte es zu bedeuten? Hatte es überhaupt etwas zu bedeuten?
Schenkte man einem zu einem Date nicht normalerweise einen Strauß Blumen?
Wurden rote, langstielige Rosen nicht normalerweise bei einem Rendevouz bevorzugt?
Sollte der Kaktus ein Symbol dafür sein, dass er mich doch nicht wollte?
Nicht auf die Art und Weise an der ich an ihm interessiert war?
Edward schien meinen unsicheren Blick bemerkt zu haben.
Seine grünen Augen suchten meine braunen und als sich unsere Blicke trafen räusperte er sich schnell.
„Als wir uns kennen gelernt haben hast du mir mal erzählt, dass du deine Heimat vermisst“, fing er mit seiner Erklärung an, die mich noch kein Stück weiter gebracht hatte.
„Du hast mir erzählt, dass dir die Kakteen am Meisten fehlen würden. Ich weiß noch wie du mir gesagt hast, dass du diese Pflanzen bewunderst. Sie seien die Außenseiter der Pflanzenwelt und trotzdem so stark und stabil. Ich dachte mir, dass ich dir eine Freude mache indem ich dir ein Stück deiner Heimat in dein neues zu Hause bringe“, erklärte er mir und sogar aus seiner Stimme konnte ich eine Spur von Unsicherheit heraus hören.
Er wusste es noch? Er wusste tatsächlich noch, was ich ihm damals erzählt hatte?
Gut, es war nur vier Monate her, aber ich hatte ihm gegenüber nur beiläufig von Phoenix erzählt, war kurz abgeweicht und hatte ihm von meiner Vorliebe für Kakteen vorgeschwärmt.
Ich konnte nicht glaube, dass er tatsächlich daran gedacht hatte.
Wenn ich vorher dachte, dass dieser Kaktus keine romantische Geste war dann wurde mir jetzt klar, wie sehr ich mich doch geirrt hatte.
Dieser Kaktus war das romantischste, was ich jemals geschenkt bekommen hatte.
Für Andere wäre ein Strauß roter Rosen wohl romantischer, genau wie er es für mich vor wenigen Augenblicken gewesen war, aber jetzt, wo er mir seine Gedanken mitgeteilt hatte, wurde ich eines besseren belehrt.
Er wusste es noch und hatte dieses Wissen bei unserem ersten Date genutzt.
Ich fühlte mich bewegungsunfähig und konnte nur weiterhin mit meinen Augen zwischen ihm und dem Kaktus hin und her wandern, ehe er an Edwards verunsichertem Blick hängen blieb.
Meine Augen fühlten sich feucht an, als ob Tränen der Rührung aus ihnen entfliehen wollten und meine Kehle war so trocken, als hätte ich seit Tagen nichts mehr getrunken.
Ich musste mich zusammenreißen und diesem unglaublichem Geschöpf vor mir zeigen, wie sehr ich mich über diese romantische Geste freute.
Die Zweifel, die ich in seine Augen ablesen konnte, musste ich schleunigst beseitigen.
Ich musste ihm zeigen, wie viel es mir bedeutete.
Wie aus dem Nichts bewegte ich mich auf Edward zu, schlang meine Arme um seinen Hals und zog ihn in eine feste Umarmung. Es dauerte etwas, bis ich seine Arme um meinen Rücken spüren konnte, die mich fester an sich drücken wollten.
Durch den Kaktus, den er noch immer in seiner Hand hielt, gestaltete sich sein Vorhaben etwas schwieriger.
„Danke“, flüsterte ich ihm leise ins Ohr und drückte ihn, um meinen Dank zu verdeutlichen etwas fester an mich.
Edward erwiderte diesen Griff und gab mir einen Kuss auf die Wange.
„Immer wieder gern“, flüsterte er genauso leise in mein Ohr.
Eine Weile standen wir noch Arm in Arm bei mir im Flur und verfielen in ein angenehmes Schweigen, ehe unser Date offiziell anfangen würde.
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